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Grobfahrlässigkeit: wann die Autoversicherung kürzt

Jede Aussage mit QuelleGeprüft am 18. Oktober 2026Redaktion knety

Die kurze Antwort

Verursachst du einen Schaden grobfahrlässig, etwa bei Rot oder mit dem Handy in der Hand, darf die Kasko ihre Leistung nach dem Grad des Verschuldens kürzen (Art. 14 Abs. 2 VVG). Die Haftpflicht zahlt den Geschädigten trotzdem, kann aber im selben Umfang auf dich Rückgriff nehmen (Art. 65 Abs. 3 SVG). Laut Ombudsstelle liegen die Kürzungen meist zwischen 10 und 50 %. Ein Grobfahrlässigkeitsschutz verzichtet darauf, ausser in aller Regel bei Alkohol, Drogen und Raserdelikten.

Art. 14 VVGArt. 65 SVGOmbudsmanAllianz Suisse ABGenerali AVBHelvetia

Was ist grobe Fahrlässigkeit im Strassenverkehr?

Grobfahrlässig handelt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts, wer elementare Vorsichtspflichten verletzt, deren Beachtung sich jedem verständigen Menschen in der gleichen Lage aufdrängt; gemeint ist auch Verhalten, das «nicht passieren darf» (Ombudsstelle der Privatversicherung). Die Mobiliar prüft im Schadenfall, ob ein vernünftig handelnder Mensch den Schaden hätte vermeiden können. Schon eine kurze Unaufmerksamkeit kann reichen: Helvetia zählt einen kurzen Blick aufs Handy, einen Rollstopp oder das Fahren bei Rot über die Kreuzung zu grobfahrlässigem Verhalten. Diese Beispiele nennen die Versicherer:

OmbudsmanMobiliarHelvetia
  • Ein Rotlicht überfahren oder übersehen (AXA, Allianz Suisse, Helvetia, Mobiliar)
  • Während der Fahrt aufs Handy schauen oder das Navi bedienen (Allianz Suisse, Helvetia, Mobiliar)
  • Rechtsvortritt oder Stoppsignal missachten, Rollstopp (Helvetia, Mobiliar)
  • Eine Sicherheitslinie oder durchgezogene Linie überfahren (AXA, Allianz Suisse, Helvetia, Mobiliar)
  • An unübersichtlicher Stelle überholen oder zu schnell fahren (Mobiliar)
  • Die Handbremse nicht richtig anziehen (Allianz Suisse, Mobiliar)
  • Im Winter mit Sommerpneus fahren (Mobiliar)
AXAAllianz SuisseHelvetiaMobiliar
VerschuldenKasko: Schaden am eigenen AutoHaftpflicht: Schaden bei anderen
Leichte FahrlässigkeitVolle Leistung (Art. 14 Abs. 4 VVG)Zahlt, kein Rückgriff auf dich
Grobe FahrlässigkeitKürzung nach dem Grad des Verschuldens (Art. 14 Abs. 2 VVG)Zahlt den Geschädigten, Rückgriff auf dich möglich (Art. 65 Abs. 3 SVG)
AbsichtKeine Leistung (Art. 14 Abs. 1 VVG)Zahlt den Geschädigten, Rückgriff auf dich möglich (Art. 65 Abs. 3 SVG)

Einreden aus dem Versicherungsvertrag oder dem VVG kann die Haftpflicht den Geschädigten nicht entgegenhalten (Art. 65 Abs. 2 SVG). Der Rückgriff reicht so weit, wie der Versicherer seine Leistung nach Vertrag oder VVG ablehnen oder kürzen dürfte (Art. 65 Abs. 3 SVG).

Art. 14 VVGArt. 65 SVG

Kürzung oder Regress: Was kostet dich grobe Fahrlässigkeit?

In der Kasko geht es um dein eigenes Auto: Der Versicherer zahlt weniger. In der Haftpflicht geht es um die Schäden der anderen: Die Geschädigten fordern direkt beim Versicherer (Art. 65 Abs. 1 SVG), er zahlt sie und holt sich danach einen Teil bei dir zurück. Das heisst Regress oder Rückgriff. Teuer wird das vor allem bei Personenschäden, weil Folgekosten wie der Lohnausfall dazukommen (Helvetia); laut TCS können die Kosten bei einem Personenunfall in die Millionen gehen. Wie das aussieht, zeigt ein Rechenbeispiel der Mobiliar: Du missachtest den Rechtsvortritt, und die andere Lenkerin ist danach ein halbes Jahr arbeitsunfähig.

Art. 65 SVGHelvetiaTCS ZusatzdeckungenMobiliar
Rechenbeispiel der MobiliarBetrag
Sachschaden am FahrzeugCHF 7’000
Spital- und GenesungskostenCHF 25’000
LohnausfallCHF 48’000
GesamtkostenCHF 80’000
Regress bei dir: 20 %CHF 16’000

Dazu kommen ein allfälliger Selbstbehalt und eine mögliche Prämienerhöhung wegen des Bonusverlusts (Allianz Suisse). In einem Beispiel von Allianz Suisse, einem übersehenen Stoppschild mit einem verletzten Lenker, beträgt der Regress CHF 20’000 oder 25 % des Schadens.

MobiliarAllianz Suisse→ Bonusstufen nach einem Schaden

Wie stark kürzt die Versicherung?

Eine feste Quote gibt es nicht. Das Gesetz erlaubt eine Kürzung «in einem dem Grade des Verschuldens entsprechenden Verhältnisse» (Art. 14 Abs. 2 VVG). Die Ombudsstelle der Privatversicherung verweist auf Bundesgerichtsentscheide, nach denen die Kürzungsquoten als allgemeine Faustregel meist zwischen 10 % und 50 % liegen und nur bei gröbstem Verschulden darüber. Dabei sei die Quote umso tiefer anzusetzen, je höher der Schaden ausfällt. Helvetia nennt je nach Schwere 20 %, 50 % oder mehr, die Mobiliar richtet den Regress nach dem Verschuldensgrad.

Art. 14 VVGOmbudsmanHelvetiaMobiliar

Wie viel Spielraum es gibt, zeigt ein Fall aus dem Jahresbericht 2025 der Ombudsstelle: Ein Rechtsschutzversicherer kürzte seine Leistung nach einer E-Scooter-Fahrt mit 1,53 Promille um 75 %. Die Ombudsstelle hielt höchstens 35 % für angemessen, und der Versicherer übernahm diesen Vorschlag. Kommt dir eine Kürzung zu hoch vor, verlang die Begründung und wende dich an die Ombudsstelle; sie vermittelt für Versicherte unentgeltlich.

Ombudsman

Rotlicht, Handy, Übermüdung, Alkohol: Was gilt?

Für einige Fälle gibt das Strassenverkehrsrecht klare Regeln. Wer wegen Alkohol, Betäubungsmitteln, Arzneimitteln oder aus anderen Gründen nicht über die nötige körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, gilt als fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen (Art. 31 Abs. 2 SVG); die Verkehrsregelnverordnung nennt dabei ausdrücklich die Übermüdung (Art. 2 Abs. 1 VRV). Beim Handy gilt: Du musst deine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden und dafür sorgen, dass Kommunikations- und Informationssysteme sie nicht beeinträchtigen (Art. 3 Abs. 1 VRV).

Art. 31 SVGArt. 2 VRVArt. 3 VRV
SituationRegelMit Grobfahrlässigkeitsschutz
Rotlicht übersehenBeispiel grober Fahrlässigkeit bei AXA, Allianz Suisse, Helvetia und MobiliarIn der Regel gedeckt
Handy oder Navi während der FahrtAufmerksamkeit auf Strasse und Verkehr (Art. 3 Abs. 1 VRV)In der Regel gedeckt
Übermüdung, SekundenschlafNicht fahrfähig (Art. 2 Abs. 1 VRV)Ausgeschlossen bei Allianz Suisse, Helvetia und Mobiliar
Alkohol ab 0,5 Promille oder 0,25 mg/l AtemalkoholAngetrunken, also fahrunfähig (Art. 1 Alkoholgrenzwerte-VO)Ausgeschlossen bei Allianz Suisse, Generali, Helvetia, Mobiliar und laut TCS
Alkohol ab 0,1 Promille mit Führerausweis auf ProbeFahren unter Alkoholeinfluss verboten (Art. 2a VRV)Je nach Vertrag
Cannabis, Kokain oder eine andere in der Verordnung genannte Droge im BlutFahrunfähigkeit gilt als erwiesen (Art. 2 Abs. 2 VRV)Ausgeschlossen bei Allianz Suisse, Generali, Helvetia, Mobiliar und laut TCS
Raserdelikt, etwa 50 km/h zu schnell innerortsBesonders krasse Missachtung der Höchstgeschwindigkeit (Art. 90 Abs. 3 und 4 SVG)Ausgeschlossen bei Allianz Suisse, Generali, Helvetia, Mobiliar und laut TCS
Diebstahl, weil der Schlüssel steckteGrobfahrlässig ermöglichter DiebstahlAusgeschlossen bei Allianz Suisse und Mobiliar

Qualifiziert angetrunken ist, wer 0,8 Promille oder 0,4 mg/l Atemalkohol erreicht (Art. 2 Alkoholgrenzwerte-VO); dann droht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe (Art. 91 Abs. 2 SVG). «In der Regel gedeckt» heisst: Die zitierten Bedingungen nehmen diesen Fall nicht aus. «Je nach Vertrag» heisst: Allianz Suisse nimmt Lenkende in angetrunkenem oder fahrunfähigem Zustand aus, die Mobiliar Fahrten über dem gesetzlich zulässigen Blutalkoholgehalt.

Art. 1 Alkoholgrenzwerte-VOArt. 2 Alkoholgrenzwerte-VOArt. 2 VRVArt. 2a VRVArt. 90 SVGArt. 91 SVGAllianz Suisse ABGenerali AVBHelvetiaMobiliarAllianz SuisseTCS Zusatzdeckungen

Was deckt ein Grobfahrlässigkeitsschutz?

Mit diesem Zusatz kann der Versicherer auf die Kürzung in der Kasko und auf den Rückgriff in der Haftpflicht verzichten. So steht es bei Allianz Suisse und Generali in den Bedingungen; Helvetia nennt ihn «Regressverzicht bei Grobfahrlässigkeit», bei der Mobiliar ist er im Bonusschutz enthalten und lässt sich für Haftpflicht und Vollkasko abschliessen. AXA verspricht in ihrer Teilkasko auch bei grobfahrlässig verursachten Schäden die volle Leistung. Der Schutz gilt laut Allianz Suisse und Mobiliar für alle, die das Auto lenken; die Mobiliar setzt einen gültigen Führerausweis voraus. Ausgenommen bleiben in den zitierten Bedingungen:

Allianz Suisse ABGenerali AVBHelvetiaMobiliarAXAAllianz Suisse
  • Fahren in angetrunkenem oder fahrunfähigem Zustand, unter Drogen oder bei Medikamentenmissbrauch (Allianz Suisse, Generali, Helvetia, Mobiliar, TCS)
  • Raserdelikte und besonders krasse Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit (Allianz Suisse, Generali, Helvetia, Mobiliar, TCS)
  • Übermüdung und Sekundenschlaf (Allianz Suisse, Helvetia, Mobiliar)
  • Diebstahl, der durch grobe Fahrlässigkeit möglich wurde, etwa mit steckengelassenem Zündschlüssel (Allianz Suisse, Mobiliar)
  • Fahren ohne gültigen Führerausweis und wiederholtes grobfahrlässiges Verhalten innert fünf Jahren (Mobiliar)
  • Unfälle im Zusammenhang mit einem vorsätzlich begangenen Vergehen oder Verbrechen (Generali)
Allianz Suisse ABGenerali AVBHelvetiaMobiliarAllianz SuisseTCS Zusatzdeckungen

Der TCS rät auch guten Fahrerinnen und Fahrern zum Grobfahrlässigkeitsschutz, weil die Versicherung bei Grobfahrlässigkeit kürzen oder die Kostenübernahme verweigern kann. Den Aufpreis nennen Allianz Suisse und Mobiliar gering. Im Vergleich von knety ist der Verzicht auf Regress bei Grobfahrlässigkeit vorausgewählt; du kannst ihn abwählen.

TCS ZusatzdeckungenAllianz SuisseMobiliar→ Autoversicherung mit Grobfahrlässigkeitsschutz vergleichen

Muss der Versicherer bei Alkohol und Raserei Rückgriff nehmen?

Nicht mehr. Vom 1. Januar 2015 bis zum 30. September 2023 musste der Haftpflichtversicherer Rückgriff nehmen, wenn ein Schaden in angetrunkenem oder fahrunfähigem Zustand oder durch ein Raserdelikt verursacht wurde; der Umfang hatte dem Verschulden und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 3 SVG, alte Fassung). Seit dem 1. Oktober 2023 hat er in diesen Fällen, wie bei allen anderen grobfahrlässigen Widerhandlungen, nur noch ein Rückgriffsrecht. So begründet es die Botschaft des Bundesrats zur Gesetzesänderung.

Art. 65 SVG, Fassung bis 30.9.2023Art. 65 SVGAS 2023 453Botschaft BBl 2021 3026

Die Ausnahmen beim Grobfahrlässigkeitsschutz stehen damit im Vertrag, nicht mehr im Gesetz. Allianz Suisse (Bedingungen Ausgabe 06.2024) und Generali (Ausgabe 2026) nehmen Alkohol, Drogen und Raserdelikte weiterhin aus. Manche Ratgeberseiten von Versicherern nennen diese Ausnahmen noch eine gesetzliche Vorgabe (Stand 18.10.2026). Massgebend ist, was in deinen Versicherungsbedingungen steht.

Allianz Suisse ABGenerali AVBAllianz SuisseMobiliar→ Prämie gestiegen: kündigen oder wechseln?

Häufige Fragen · mit Quellen

Weitere Fragen

Ist ein Rotlicht überfahren grobfahrlässig?

In der Regel ja. AXA, Allianz Suisse, Helvetia und die Mobiliar nennen das Überfahren eines Rotlichts als Beispiel grober Fahrlässigkeit. Die Kasko darf dann kürzen und die Haftpflicht Rückgriff nehmen, ausser du hast einen Grobfahrlässigkeitsschutz.

AXAAllianz SuisseHelvetiaMobiliarArt. 14 VVGArt. 65 SVG

Zahlt die Autoversicherung bei einem Unfall mit Alkohol?

Den Geschädigten zahlt die Haftpflicht, denn Einreden aus dem Vertrag gelten ihnen gegenüber nicht (Art. 65 Abs. 2 SVG). Auf dich kann sie Rückgriff nehmen, und die Kasko darf kürzen. Der Grobfahrlässigkeitsschutz hilft hier meist nicht: Allianz Suisse, Generali, Helvetia, die Mobiliar und der TCS nennen Alkohol als Ausnahme. Angetrunken bist du ab 0,5 Promille; mit Führerausweis auf Probe ist Fahren schon ab 0,1 Promille verboten.

Art. 65 SVGAllianz Suisse ABGenerali AVBHelvetiaMobiliarTCS ZusatzdeckungenArt. 1 Alkoholgrenzwerte-VOArt. 2a VRV

Wie viel muss ich bei grober Fahrlässigkeit selbst zahlen?

Das hängt vom Verschulden ab. Laut Ombudsstelle liegen die Kürzungen meist zwischen 10 % und 50 %. Im Rechenbeispiel der Mobiliar fordert die Versicherung bei CHF 80’000 Schaden 20 %, also CHF 16’000 zurück; im Beispiel von Allianz Suisse sind es CHF 20’000 oder 25 % des Schadens.

OmbudsmanMobiliarAllianz Suisse

Gilt der Grobfahrlässigkeitsschutz auch, wenn jemand anders mein Auto fährt?

Bei Allianz Suisse ja: Versichert sind alle Personen, die dein Auto lenken, ob du selbst, Verwandte oder Bekannte. Bei der Mobiliar gilt der Schutz grundsätzlich für jede Person am Steuer, sofern sie einen gültigen Führerausweis besitzt und kein Ausschlussgrund vorliegt.

Allianz SuisseMobiliar

Ist ein kurzer Blick aufs Handy am Steuer grobfahrlässig?

Er kann es sein. Helvetia, Allianz Suisse und die Mobiliar nennen den Blick aufs Handy während der Fahrt als Beispiel grober Fahrlässigkeit. Die Verkehrsregeln verlangen, dass Kommunikations- und Informationssysteme deine Aufmerksamkeit nicht beeinträchtigen (Art. 3 Abs. 1 VRV).

HelvetiaAllianz SuisseMobiliarArt. 3 VRV

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