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Zusatzversicherung abgelehnt: Gründe, Rechte und Auswege

Jede Aussage mit QuelleGeprüft am 25. Oktober 2026Redaktion knety

Die kurze Antwort

Ja, das darf die Kasse: In der Zusatzversicherung gilt Vertragsfreiheit, und sie darf einen Antrag nach eigenem Ermessen und ohne Angabe von Gründen ablehnen (FINMA). Deine Grundversicherung ist davon nicht betroffen, denn dort muss dich jede Kasse ohne Gesundheitsfragen aufnehmen (Art. 5 KVAG). Nach einer Ablehnung kannst du die Kasse um einen Vertrag mit Vorbehalt bitten, es bei einer anderen Kasse versuchen und Auskunft über die Daten verlangen, die die Kasse über dich bearbeitet (Art. 25 DSG).

FINMAOmbudsstelle KV, Bericht 2022Art. 5 KVAGBAG-FaktenblattArt. 25 DSG

Warum darf die Kasse eine Zusatzversicherung ablehnen?

Zusatzversicherungen sind private Verträge. Krankenkassen dürfen sie neben der Grundversicherung anbieten, sie unterstehen aber dem Versicherungsvertragsgesetz VVG und nicht dem KVG (Art. 2 Abs. 2 KVAG). Im Privatrecht gilt Vertragsfreiheit: Laut der Ombudsstelle Krankenversicherung darf die Kasse vor dem Abschluss eine Gesundheitsdeklaration einholen und das Risiko abwägen, und du hast keinen Anspruch auf einen Vertrag. Die FINMA, die Zusatzversicherungen beaufsichtigt, hält fest: Im Unterschied zur Grundversicherung dürfen die Krankenversicherungen Kundinnen und Kunden in eigenem Ermessen und ohne Angabe von Gründen ablehnen.

Art. 2 KVAGOmbudsstelle KV, Bericht 2022FINMA

Die Gründe nennen die Kassen selbst. Laut Sanitas lehnt eine Kasse ab, wenn sie das Risiko hoher Kosten als zu hoch einschätzt, damit die Prämien der bereits Versicherten nicht steigen. Priminfo, die Prämienseite des Bundes, warnt, dass sich eine gekündigte Zusatzversicherung nicht in jedem Fall neu abschliessen lässt, vor allem ab einem gewissen Alter (55 bis 65 Jahre) oder bei schlechter Gesundheit. Dass auch das Alter den Ausschlag geben kann, zeigt ein Fall der Ombudsstelle Krankenversicherung von 2023: Ein Versicherer lehnte die Zusatzversicherungen eines 74-Jährigen ab und gab an, die Ablehnung sei wegen des Alters erfolgt; von einer Krankheit habe er nichts gewusst, weil im Fragebogen alle Gesundheitsfragen verneint waren. Was du im Fragebogen angeben musst, erklärt der Ratgeber zu Gesundheitsfragen und Vorbehalt.

SanitasPriminfoOmbudsstelle KV, Bericht 2023

Muss die Kasse die Ablehnung begründen?

Nein. Weil du keinen Anspruch auf den Vertrag hast, muss der Versicherer seinen ablehnenden Entscheid laut Ombudsstelle Krankenversicherung nicht einmal begründen; es genügt, wenn er kein Interesse daran hat. Manche Kassen schreiben das ausdrücklich in ihre Bedingungen. In den AVB von SWICA (Ausgabe 2027, Art. 23) steht: «SWICA kann im Rahmen der Zusatzversicherung einen Vertragsabschluss ohne Begründung ablehnen.» Auch die FINMA nennt die Ablehnung ohne Angabe von Gründen ausdrücklich als Teil der Vertragsfreiheit.

Ombudsstelle KV, Bericht 2022SWICA AVBFINMA

Ganz im Dunkeln bleibst du trotzdem nicht. Nach dem Datenschutzgesetz kannst du von der Kasse Auskunft verlangen, ob sie Personendaten über dich bearbeitet, welche Daten das sind, zu welchem Zweck und woher sie stammen, soweit sie nicht von dir kommen. Die Auskunft ist kostenlos und kommt in der Regel innert 30 Tagen (Art. 25 DSG). Gesundheitsdaten darf die Kasse dir mit deiner Einwilligung über eine Gesundheitsfachperson mitteilen, die du bestimmst, etwa deine Hausärztin oder deinen Hausarzt (Art. 25 Abs. 3 DSG).

Art. 25 DSG

Beruht eine Ablehnung ausschliesslich auf einer automatisierten Bearbeitung, etwa bei einem Online-Antrag, gelten zusätzliche Rechte. Die Kasse muss dich über einen solchen Entscheid informieren, und du kannst deinen Standpunkt darlegen und verlangen, dass eine natürliche Person den Entscheid überprüft (Art. 21 DSG). Die Ausnahme für Verträge greift nur, wenn deinem Begehren stattgegeben wird, also nicht bei einer Ablehnung (Art. 21 Abs. 3 Bst. a DSG). Die Rechte entfallen aber, wenn du ausdrücklich eingewilligt hast, dass automatisiert entschieden wird (Art. 21 Abs. 3 Bst. b DSG). Im Auskunftsgesuch erfährst du dann auch die Logik, auf der die Entscheidung beruht (Art. 25 Abs. 2 Bst. f DSG).

Art. 21 DSGArt. 25 DSG

Das Auskunftsrecht verpflichtet die Kasse nicht, dir doch noch einen Vertrag anzubieten; einen Anspruch darauf gibt es nicht. Es zeigt dir aber, welche Gesundheitsangaben über dich vorliegen. Das hilft, einen neuen Antrag bei einer anderen Kasse vollständig und richtig auszufüllen.

Ombudsstelle KV, Bericht 2022Art. 25 DSG

Vorbehalt statt Ablehnung: Was du der Kasse anbieten kannst

Eine Ablehnung ist nicht immer das letzte Wort. Die Ombudsstelle Krankenversicherung empfiehlt, den Versicherer zu bitten, dir einen Vertrag mit Ausschluss des bestehenden oder rückfallbehafteten Leidens anzubieten, sofern ein solcher Vertrag für dich überhaupt Sinn macht. Stimmt die Kasse nur unter einem solchen Ausschluss zu, ist das laut Ombudsstelle ein Gegenantrag, den du noch ablehnen kannst. Du entscheidest also selbst, ob dir der übrige Schutz die Prämie wert ist. Wie lange ein Vorbehalt gilt und wie du ihn annimmst, steht im Ratgeber zu Gesundheitsfragen und Vorbehalt.

Ombudsstelle KV, Bericht 2022

Einzelne Kassen kennen eine dritte Lösung. Sanitas bietet in vielen Fällen statt eines Vorbehalts einen individuellen Prämienzusatz an: einen Zuschlag auf die Prämie, mit dem die Vorerkrankung mitversichert ist. Möglich ist das bei Sanitas für alle Spitalversicherungen sowie die Zusatzversicherungen Vital, Medical Private, Easy und Capital Unfall. Wer früher von einer anderen Zusatzversicherung abgelehnt wurde, bekommt laut Sanitas in vielen Fällen ein solches Angebot, aber nicht immer; auch Sanitas lehnt manche Anträge weiterhin ab.

Sanitas→ Zusatzversicherungen vergleichen

Deine Grundversicherung bleibt garantiert

Eine Ablehnung in der Zusatzversicherung hat keinen Einfluss auf die Grundversicherung. Dort wählst du die Kasse frei (Art. 4 KVG), und jede Kasse muss in ihrem Tätigkeitsgebiet jede versicherungspflichtige Person aufnehmen (Art. 5 Bst. i KVAG): vorbehaltlos und ohne Wartefrist, ungeachtet von Alter und Gesundheitszustand, und ohne Gesundheitsfragebogen (BAG). Damit beides getrennt bleibt, darf das Beitrittsformular der Grundversicherung keine Angaben, Hinweise oder Verbindungen zu Zusatzversicherungen enthalten (Art. 6a Abs. 2 KVV).

Art. 4 KVGArt. 5 KVAGBAG-FaktenblattArt. 6a KVV

Wie wichtig diese Trennung ist, zeigt ein Fall der Ombudsstelle Krankenversicherung von 2023. Ein Versicherer lehnte die Zusatzversicherungen eines Mannes ab, der aus dem Ausland zurückgekehrt war, und bot ihm gleichzeitig an, auch auf die beantragte Grundversicherung zu verzichten. Die Ombudsstelle hielt das für fraglich: Der Beitritt begründe das Versicherungsverhältnis, das nur durch Kündigung ende, beim ersten Versicherer bestehe eine Aufnahmepflicht, und ein solches Angebot könne die Versicherungspflicht vereiteln. Der Versicherer blieb bei seiner Haltung, der Mann war inzwischen anderswo versichert. Ziehe die Grundversicherung darum nicht zurück, nur weil der Zusatz nicht klappt.

Ombudsstelle KV, Bericht 2023Art. 5 KVAG
  • Wechsel auf 2027: Die Kündigung der Grundversicherung muss bis 30. November bei deiner Kasse eintreffen (Art. 7 KVG, BAG). Die neue Kasse muss dich aufnehmen, auch wenn sie deinen Zusatz ablehnt.
  • Den bisherigen Zusatz darfst du behalten: Die alte Kasse darf dich nicht zwingen, ihn zu kündigen, und ihn nicht allein wegen des Wechsels kündigen (Art. 7 Abs. 7 und 8 KVG).
  • Kündige einen bestehenden Zusatz erst, wenn dich die neue Kasse schriftlich aufgenommen hat. Eine gekündigte Zusatzversicherung lässt sich laut Priminfo nicht in jedem Fall neu abschliessen.
Art. 7 KVGBAGPriminfo→ Grundversicherung kündigen: Vorlage→ Grundversicherung vergleichen

Was du nach einer Ablehnung tun kannst

WegWas er bringtGrundlage
Um einen Vertrag mit Vorbehalt bittenSchutz für alles ausser dem ausgeschlossenen Leiden; du kannst das Angebot annehmen oder ablehnenOmbudsstelle Krankenversicherung
Bei einer anderen Kasse beantragenJede Kasse prüft selbst; die Gesundheitsfragen beantwortest du dort wieder vollständig und wahrOmbudsstelle, Art. 4 VVG
Prämienzuschlag statt VorbehaltVorerkrankung mitversichert gegen höhere Prämie, nur bei einzelnen KassenSanitas
Taggeld nach KVG statt nach VVGDie Kasse muss dich aufnehmen; ein Vorbehalt fällt spätestens nach fünf Jahren wegArt. 67 und 69 KVG, Art. 5 KVAG
Später nochmals beantragenBei Sanitas betreffen die Gesundheitsfragen die letzten fünf Jahre; mit dem Alter kann die Aufnahme aber schwieriger werdenSanitas, Priminfo

Stand 25.10.2026. Einen Anspruch auf einen Zusatzvertrag gibt es auf keinem dieser Wege.

Ombudsstelle KV, Bericht 2022Art. 4 VVGSanitasArt. 67 KVGArt. 69 KVGArt. 5 KVAGSanitas GesundheitsfragenPriminfo

Für ein Krankentaggeld gibt es einen Ausweg über das KVG. Lehnt dich ein Versicherer für ein Taggeld nach VVG ab, bleibt die freiwillige Taggeldversicherung nach KVG: Abschliessen kann sie, wer in der Schweiz wohnt oder arbeitet und das 15., aber noch nicht das 65. Altersjahr vollendet hat (Art. 67 KVG), und die Kasse muss dich aufnehmen (Art. 5 Bst. i KVAG). Bestehende Krankheiten darf sie mit einem Vorbehalt ausschliessen; dieser fällt spätestens nach fünf Jahren dahin und muss dir schriftlich mit Krankheit, Beginn und Ende mitgeteilt werden (Art. 69 KVG).

Art. 67 KVGArt. 5 KVAGArt. 69 KVG

Stellst du mehrere Anträge gleichzeitig, denk an die Bindung. Dein Antrag bindet dich 14 Tage, verlangt die Kasse eine ärztliche Untersuchung, vier Wochen (Art. 1 VVG). Laut Ombudsstelle ist ein Antrag in der Regel verbindlich: Nimmt die Kasse ihn an, bist du an den Vertrag gebunden. Sagen zwei Kassen zu, kannst du einen Antrag innert 14 Tagen ab Antragstellung schriftlich oder in einer anderen Form, die den Nachweis durch Text ermöglicht, widerrufen (Art. 2a VVG). Der Widerruf macht den Antrag von Anfang an unwirksam (Art. 2b VVG).

Art. 1 VVGOmbudsstelle KV, Bericht 2022Art. 2a VVGArt. 2b VVG

Hilft die Ombudsstelle bei einer Ablehnung?

Die Ombudsstelle Krankenversicherung ist auch für die Zusatz- und Taggeldversicherungen der Krankenkassen zuständig, und sie hilft kostenlos. Einen Vertrag erzwingen kann sie nicht, weil es keinen Anspruch darauf gibt. Sie greift aber ein, wenn rund um die Ablehnung etwas schiefläuft: wenn eine Kasse die Grundversicherung an den Zusatz koppeln will, wenn ein misslungener Wechsel zu einer Doppelversicherung führt oder wenn dir eine Kasse später wegen falscher Angaben im Gesundheitsfragebogen kündigt. Dann prüft sie, ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Ombudsstelle KrankenversicherungOmbudsstelle KV, Bericht 2022Ombudsstelle KV, Bericht 2023

Häufige Fragen · mit Quellen

Weitere Fragen

Warum wurde meine Zusatzversicherung abgelehnt?

Das muss dir die Kasse nicht sagen. Laut Sanitas lehnen Kassen ab, wenn sie das Kostenrisiko als zu hoch einschätzen; laut Priminfo wird die Aufnahme ab 55 bis 65 Jahren oder bei schlechter Gesundheit schwierig. Welche Daten die Kasse über dich bearbeitet, erfährst du mit einem kostenlosen Auskunftsgesuch nach Art. 25 DSG.

Ombudsstelle KV, Bericht 2022SanitasPriminfoArt. 25 DSG

Kann ich mich gegen eine Ablehnung wehren?

Einen Anspruch auf den Vertrag hast du nicht, und die Kasse darf ohne Begründung ablehnen. Du kannst sie aber um einen Vertrag mit Vorbehalt bitten oder es bei einer anderen Kasse versuchen. Beruht die Ablehnung nur auf einem automatisierten Entscheid, kannst du verlangen, dass eine Person ihn überprüft, sofern du nicht ausdrücklich in den automatisierten Entscheid eingewilligt hast.

Ombudsstelle KV, Bericht 2022FINMAArt. 21 DSG

Verliere ich die Grundversicherung, wenn der Zusatz abgelehnt wird?

Nein. In der Grundversicherung muss dich jede Kasse vorbehaltlos und ohne Wartefrist aufnehmen. Wechselst du die Grundversicherung, darfst du den Zusatz bei der bisherigen Kasse behalten; sie darf ihn nicht allein wegen des Wechsels kündigen.

Art. 5 KVAGBAGArt. 7 KVG

Muss ich eine frühere Ablehnung im neuen Antrag angeben?

Wenn der Fragebogen danach fragt, ja. Du musst alle erfragten erheblichen Tatsachen angeben, soweit du sie kennst oder kennen musst; wonach in bestimmter, unzweideutiger Form gefragt wird, wird als erheblich vermutet. Verschweigst du eine erfragte erhebliche Tatsache oder gibst du sie falsch an, darf die Kasse den Vertrag innert vier Wochen ab Kenntnis kündigen.

Art. 4 VVGArt. 6 VVG

Gibt es Zusatzversicherungen ohne Gesundheitsfragen?

Für Babys ja: Meldest du dein Kind vor der Geburt an, nehmen mehrere Kassen es in bestimmte Zusätze ohne Gesundheitsfragen auf, darunter ÖKK und die CONCORDIA; bei der CONCORDIA sind das etwa DIVERSA, NATURA und die Spitalversicherung ALLGEMEIN. Für Erwachsene stellen die Kassen in der Regel Gesundheitsfragen; bei Sanitas betreffen sie die Erkrankungen und Behandlungen der letzten fünf Jahre.

CONCORDIAÖKKSanitas Gesundheitsfragen

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