Hast du im Jahr weniger als rund CHF 2’000 Arzt-, Spital- und Medikamentenkosten und kannst im Ernstfall bis CHF 3’200 selbst zahlen, ist die Franchise CHF 2’500 meist günstiger. Brauchst du regelmässig Behandlungen, ist es die Franchise CHF 300. Der Grund: Der Prämienrabatt darf höchstens 70 % des zusätzlichen Risikos betragen, also höchstens CHF 1’540 im Jahr (Art. 95 KVV). Eine tiefere Franchise wählst du bis 30. November, eine höhere bis Ende Dezember, beides auf den 1. Januar.
Die Franchise ist der Betrag, den du jedes Jahr zuerst selbst zahlst, bevor die Krankenkasse Kosten übernimmt. Die ordentliche Franchise beträgt CHF 300 pro Kalenderjahr (Art. 103 Abs. 1 KVV). Erwachsene und junge Erwachsene können stattdessen CHF 500, 1’000, 1’500, 2’000 oder 2’500 wählen, Kinder bis 18 Jahre zahlen ordentlich keine Franchise und können CHF 100 bis 600 wählen (Art. 64 Abs. 4 KVG, Art. 93 Abs. 1 KVV). Die Kassen müssen nicht alle Wahlfranchisen anbieten, und ihr Angebot gilt jeweils für den ganzen Kanton.
Nach der Franchise zahlst du 10 % der weiteren Kosten als Selbstbehalt, höchstens CHF 700 im Jahr, Kinder höchstens CHF 350 (Art. 103 Abs. 2 KVV). Daran ändert die Wahl der Franchise nichts. Die Franchise verschiebt also nur, ab welchem Betrag die Kasse zahlt, und die Prämie sinkt dafür. Wie Franchise, Selbstbehalt und Spitalbeitrag zusammen wirken, erklärt der Ratgeber zur Kostenbeteiligung.
Den Rabatt legt jede Kasse selbst fest, aber das Gesetz setzt eine Obergrenze: Die Prämienreduktion pro Kalenderjahr darf nicht höher sein als 70 % des Risikos, das du mit der höheren Franchise zusätzlich übernimmst (Art. 95 Abs. 2bis KVV). Wählst du CHF 2’500 statt CHF 300, trägst du CHF 2’200 mehr selbst, der Rabatt darf also höchstens CHF 1’540 im Jahr betragen. Diese Grenze gilt in Franken und überall gleich, in einem Kanton mit hohen Prämien ist der Rabatt in Prozent deshalb kleiner.
Höchstrabatt laut Priminfo und BAG. «Schnitt der Kassen 2027»: Prämie gespart pro Jahr gegenüber Franchise CHF 300, Schnitt aller Kassen und Prämienregionen, Erwachsene, Standardmodell, mit Unfall, gerechnet aus den BAG-Prämiendaten 2027. Die Kassen schöpfen die Grenze im Schnitt also fast ganz aus.
Kombinierst du eine hohe Franchise mit einem Hausarzt- oder Telmed-Modell, gilt eine Untergrenze: Die Prämie muss mindestens 50 % der ordentlichen Prämie mit Unfalldeckung betragen (Art. 90c KVV). Laut BAG kann der Rabatt in dieser Kombination deshalb allenfalls nicht ausgeschöpft werden.
Ab welchen Kosten lohnt sich die Franchise CHF 300?
Entscheidend ist die Summe aus Prämie und dem, was du selbst zahlst. Liegen deine Rechnungen im Jahr zwischen CHF 300 und CHF 2’500, zahlst du mit der Franchise CHF 2’500 jeden Franken selbst, mit der Franchise CHF 300 nur 10 Rappen Selbstbehalt (Art. 64 Abs. 2 KVG, Art. 103 KVV). Jeder Franken Kosten macht die hohe Franchise also um 90 Rappen teurer. Daraus folgt die Grenze: CHF 300 plus Prämienersparnis geteilt durch 0,9. Mit dem Höchstrabatt von CHF 1’540 liegt sie bei rund CHF 2’011 Kosten im Jahr.
Gerechnet mit Franchise plus 10 % Selbstbehalt bis CHF 700 (Art. 103 KVV), ohne Spitalbeitrag und ohne Medikamente mit 40 % Selbstbehalt. Die Spalte rechts setzt voraus, dass deine Kasse den gesetzlichen Höchstrabatt gewährt; gibt sie weniger, verschiebt sich die Grenze nach unten.
Die Rechnung zeigt auch das Risiko: Im besten Fall sparst du mit CHF 2’500 höchstens CHF 1’540 im Jahr, im schlechtesten zahlst du höchstens CHF 660 mehr als mit CHF 300. Das BAG hält dazu fest: Wenn du eine hohe Franchise wählst, musst du diesen Betrag im Krankheitsfall bezahlen können. Priminfo nennt als Anhaltspunkte für eine hohe Franchise, dass du gesund bist, selten zum Arzt gehst und genug Geld für den Ernstfall hast; wer oft zum Arzt muss oder regelmässig Behandlungen hat, wählt besser eine tiefe Franchise.
Rechnerisch selten. Gewährt die Kasse für jede Stufe den Höchstrabatt, bekommst du für jeden Franken zusätzliche Franchise 70 Rappen Rabatt (Art. 95 Abs. 2bis KVV). Liegen deine Kosten über der Franchise, kostet dich derselbe Franken 90 Rappen mehr Eigenanteil (Art. 103 KVV), eine höhere Stufe lohnt sich dann nicht. Liegen sie darunter, spart jede höhere Stufe nur noch Prämie. Am günstigsten über das ganze Jahr ist darum fast immer die tiefste oder die höchste Stufe, je nachdem, ob deine Kosten über oder unter der Grenze von rund CHF 2’000 liegen.
Eine mittlere Stufe kann trotzdem passen, wenn du die Prämie etwas senken willst, aber einen Betrag von CHF 3’200 im Ernstfall nicht auf einmal bezahlen könntest. Das ist eine Frage deiner Reserven, nicht der Rechnung. Wie viel die einzelnen Stufen bei deiner Kasse kosten, zeigt der Franchise-Rechner mit den genehmigten Prämien 2027.
Tiefere Franchise auf den 1. Januar 2027: Die Mitteilung muss spätestens am 30. November 2026 bei der Kasse eingetroffen sein (Art. 94 Abs. 2 KVV mit Art. 7 KVG). Das geht, egal wie gesund du bist.
Höhere Franchise auf den 1. Januar 2027: Laut BAG kannst du sie bis Ende Dezember mitteilen; Priminfo empfiehlt, das spätestens Mitte Dezember schriftlich zu tun.
Unter dem Jahr: Die Franchise lässt sich nicht ändern, auch nicht beim Kassenwechsel Mitte Jahr; eine höhere Franchise gilt nur ab Beginn eines Kalenderjahres (Art. 94 Abs. 1 KVV).
Kassenwechsel auf den 1. Juli: nur mit der ordentlichen Franchise CHF 300 und ohne besonderes Modell; mit einer Wahlfranchise wechselst du nur auf Ende Jahr.
Eine höhere Franchise gilt laut BAG für mindestens ein Jahr. Das heisst auch: Senkst du sie, weil eine Operation ansteht, muss die Mitteilung bis 30. November bei der Kasse sein, und sie wirkt erst ab Januar. Mehr als 80 % der Versicherten haben laut BAG heute eine höhere Franchise, ein eingeschränktes Modell oder beides gewählt.
Für Kinder bis 18 Jahre ist die ordentliche Franchise CHF 0, wählbar sind CHF 100 bis 600. Auch hier ist der Rabatt auf 70 % des Zusatzrisikos begrenzt, bei CHF 600 also auf CHF 420 im Jahr (Priminfo). Der Selbstbehalt ist für Kinder auf CHF 350 begrenzt (Art. 103 Abs. 2 KVV). Sind mehrere Kinder einer Familie bei derselben Kasse versichert, dürfen Wahlfranchise und Selbstbehalt zusammen höchstens das Doppelte des Höchstbetrags je Kind ausmachen (Art. 93 Abs. 3 KVV).
Auch Unfallfolgen, die über die Krankenkasse laufen, fallen unter Franchise und Selbstbehalt. Priminfo rät deshalb, gerade bei Jugendlichen zu überlegen, ob noch Unfallfolgen anstehen. Für junge Erwachsene von 19 bis 25 Jahren dürfen die Kassen andere Franchisen anbieten als für ältere Erwachsene (Art. 93 Abs. 1 KVV). Im Spital zahlen Kinder und junge Erwachsene in Ausbildung keinen Spitalbeitrag (Art. 104 Abs. 2 KVV).
Ja, wenn deine Arzt-, Spital- und Medikamentenrechnungen im Jahr unter rund CHF 2’000 bleiben und du im Ernstfall bis CHF 3’200 Franchise und Selbstbehalt zahlen kannst. Darüber ist die Franchise CHF 300 günstiger, weil der Rabatt höchstens 70 % des zusätzlichen Risikos beträgt.
Wie viel spare ich mit der Franchise CHF 2’500 statt CHF 300?
Höchstens CHF 1’540 Prämie im Jahr, so viel erlaubt das Gesetz. Im Schnitt aller Kassen und Prämienregionen waren es für Erwachsene im Standardmodell mit Unfall 2027 CHF 1’537 (BAG-Prämiendaten). Was deine Kasse gibt, zeigt der Franchise-Rechner.
Nein. Eine höhere Franchise gilt immer ab 1. Januar, eine tiefere ebenfalls, wobei die Mitteilung für die tiefere bis 30. November bei der Kasse sein muss. Eine Operation im laufenden Jahr zahlst du also mit der Franchise, die du gewählt hast.
Was ist der Unterschied zwischen Franchise und Selbstbehalt?
Die Franchise zahlst du zuerst ganz selbst, je nach Wahl CHF 300 bis 2’500 im Jahr. Danach zahlst du vom Rest 10 % Selbstbehalt, höchstens CHF 700 im Jahr, für Kinder CHF 350. Den Selbstbehalt kannst du nicht wählen.
Nein. Die ordentliche Franchise CHF 300 muss jede Kasse führen, die Wahlfranchisen nicht alle. Was eine Kasse anbietet, gilt jeweils für den ganzen Kanton.
Dieser Ratgeber erklärt die Rechtslage und Marktpraxis in der Schweiz allgemein. Für deinen Vertrag gelten die Allgemeinen Versicherungsbedingungen deines Versicherers. Herausgeber: knety, Neuenhof AG · Über knety